Stark geschwollener Arm oder Lymphödem

 

Sind Achsellymphknoten entfernt worden, kann es zu einem Lymphödem kommen.

 

Mein Arm schwillt an, warum?

 

Die Lymphe des Armes (gelbliche Flüssigkeit) fliesst über die Achsellymphknoten ab. Sind diese  entfernt worden, kann sich die Lymphe im Arm stauen. Ein Lymphödem erkennt man  daran, dass die Hand oder der Arm der operierten Seite anschwellen. Es ist ganz wichtig bereits bei den ersten Anzeichen des Anschwellens zu handeln.

 

Was soll ich tun?

 

Erkenne ich die ersten Anzeichen, so nehme ich direkt Kontakt mit meinem Arzt auf, der mich operiert hat. Er wird mir eine Lymphödembehandlung bei einem Physiotherapeuten/in  verschreiben, damit der Arm rascher abschwillt. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

 

Es handelt sich hier nicht um eine einfache Lymphdrainage. Ich muss mich an einen spezialisierten Physiotherapeuten/tin wenden, der sich auf die Behandlung stark geschwollener Arme spezialisiert hat und die physikalische Methode mit speziellen druckarmen Handgriffen beherrscht. Therapeuten, die Geräte einsetzen oder nur eine Behandlung pro Woche vorschlagen, sind zu meiden, da sie damit nicht zu einer Heilung des Lymphödems beitragen.

 

Wird frühzeitig mit der Behandlung begonnen, kann das Lymphödem im Arm ganz beseitigt werden. Ohne Behandlung kann sich der Umfang des Armes innerhalb einiger Monate verdoppeln und zu einer körperlichen Behinderung werden. Je nach Ödemstärke (massives bis riesiges Lymphödem), kann es in Einzelfällen nicht mehr rückgängig gemacht werden.

 

Wie hoch ist mein Risiko, einen geschwollenen Arm zu bekommen?

 

Wurden meine Achsellymphknoten entfernt, liegt mein Risiko bei 10% bis 20%. Drei Faktoren begünstigen dieses Risiko: die Anzahl der entfernten Lymphknoten, die Strahlentherapie und erhebliches Übergewicht. Ausserdem lohnt es sich, wachsam zu sein, denn ein Anschwellen des Armes kann auch noch Jahre nach der Operation auftreten.

 

Behandlung eines Lymphödems

 

Entstauungs-Therapie: Behandlung durch Ausstreichen

 

Damit der geschwollene Arm rasch wieder abschwillt, sollte ich  zwei Wochen lang täglich zur Physiotherapie gehen. Folgende physiotherapeutische Massnahmen sind erfolgreich:

 

1. Manuelle Lymphdrainage: Durch eine sanfte Streichmassage mit den Händen werden die Lymphbahnen stimuliert und der Abfluss der Gewebeflüssigkeit in andere Körperregionen erleichtert. Die Abflusswege im Bereich des Rumpfes werden freigemacht, so dass das Lymphsystem wieder durchgängig ist und funktioniert.

 

2. Kompressionsbandage: Die Bandage wird am Arm getragen. Mit Ihr wird der Druck auf das geschwollene Gewebe verstärkt. Es sammelt sich weniger Flüssigkeit an und der Rückfluss wird vorangetrieben. Die Schwellung wird aber nur reduziert, wenn die Bandage stets Tag und Nacht getragen wird. Einmal pro Tag sollte sie neu angepasst werden.

 

3. Gymnastische Übungen: Sie dienen der Verbesserung der Beweglichkeit und Stärkung der Muskelkraft, was wiederum den Flüssigkeitsabfluss fördert.

 

4. Taping: Ein Tapeverband ist ein elastischer Klebeverband, der in der angeschwollenen Zone den Gewebedruck verringert. Er wird so angelegt, dass die Lymphflüssigkeit in andere Körperregionen abfliessen kann. Die Tapestreifen folgen der Körperform und können zum Beispiel über die Schulter gelegt werden, was mit einer Bandage nicht möglich ist. Diese innovative Methode wird allerdings nur vereinzelt in fortschrittlichen Physiotherapiezentren angeboten.

 

5. Pflege der Haut: Eine tägliche, feuchtigkeitsintensive Pflege der Haut vermeidet Risse und Schrunden. Kleine Schrammen oder wunde Stellen sollte ich immer reinigen und desinfizieren, denn die gespannte Haut ist durch die Schwellung empfindlicher und wird stark strapaziert. Entzündungen (Rötung, Schmerzen, Hitze, Fieber) entstehen schnell. Bei einer Infektion sollte ich umgehend meinen Arzt aufsuchen und mich mit einem Antibiotikum behandeln lassen.

 

Nachbehandlung der Entstauungs-Therapie

 

Die Nachbehandlung beginnt, sobald der Arm abgeschwollen ist, und sichert den Erfolg der Entstauungs-Therapie.

 

1. Kompressionsstrumpf: Mein Arzt verschreibt mir einen Armstrumpf (ähnlich einem Krampfadernstrumpf), den ich tagsüber unter meinen Kleidern problemlos tragen kann. Er wird im Fachgeschäft individuell angepasst und sollte alle sechs Monate erneuert werden. Die Kosten werden von der Krankenversicherung übernommen.

 

2. Bandage: In gewissen Fällen sollte eine Bandage auch nachts getragen werden. Ich kann sie selbst anlegen.

 

3. Schwimmen: Der Wasserdruck wirkt wie eine Massage und unterstützt die Zirkulation der Lymphflüssigkeit. Dreimal pro Woche eine Stunde schwimmen unterstützt die Nachbehandlung meines Lymphödems.

 

4. Leichte Aktivitäten: Regelmässige und leichte Bewegungen des Armes (schonend und nicht zu heftig) wie z.B. Laufen, Gymnastik, Radfahren, Yoga werden mir gut tun. Sie unterstützen den Abtransport der Lymphflüssigkeit.

 

5. Meinen Arm entlasten: Ich sollte unbedingt vermeiden, dass mein Arm zu lange nach unten baumelt. Beim Fernsehen, Schlafen oder Ausruhen – so oft es mir möglich ist – lagere ich meinen Arm erhöht auf ein Kissen. Das verbessert den Rückfluss der Flüssigkeit.

 

Wertvolle Tipps zur Vorbeugung eines Lymphödems

 

Verletzungen am Arm oder der Hand an der operierten Seite sollten unbedingt vermieden werden: Auch die kleinsten Risse, Stiche oder Verletzungen müssen unbedingt desinfiziert werden. Sei vorsichtig bei der Nagelpflege und pflege kleinste Hautrisse mit Feuchtigkeitscreme. Bei Schwellungen, Rötungen oder Entzündungen im Arm kontaktiere ich umgehend meinen Arzt, und lasse mir ein Antibiotikum verschreiben.

 

Folge deinem gesunden Menschenverstand und lebe ganz normal. Wenn ich aber merke, dass mein Arm anschwillt, weil ich ein zu enges Kleidungsstück getragen habe, mich überanstrengt habe, oder den Arm zu lange nach unten baumeln liess, versuche ich diese Situationen zukünftig zu vermeiden. Das gilt auch für das  Baden in warmen Gewässern oder für den Saunabesuch: schwillt mein Arm an, so ist es besser, solche Aktivitäten zu vermeiden.

 

Was mir immer hilft: Lege den Arm, wenn immer es geht, auf eine erhöhtes Kissen. Leichte körperliche Aktivität und Schwimmen (der Wasserdruck unterstützt positiv) helfen, das Lymphödem zu beseitigen. Kaufe einen kleinen Einkaufswagen auf Rollen, um langes und schweres Tragen zu vermeiden. Verwende nur einen BH mit breiten Trägern, damit sie nicht einschnüren. Achte auf das Körpergewicht (Übergewicht fördert ein Anschwellen).

 

Was unbedingt zu vermeiden ist: Sonnenbrand, Insektenstiche, einschnürende Kleider und eng anliegender Schmuck am Arm der operierten Seite.

 

Lymphödem der Brustkorbwand und der Brust

 

Der Lymphabfluss kann auch nach dem Entfernen der Achsellymphknoten bei einer Brustentfernung oder auch durch eine Strahlentherapie in der Brust blockiert oder gestört sein. Es entsteht dann eine Schwellung in der Brust oder an der Brustkorbwand. Diese Lymphödeme sind weniger einschränkend als ein Lymphödem im Arm. Die Behandlung ist ähnlich: manuelle Lymphdrainage, Taping, Schwimmen.

 

Link: Broschüre "Das Lymphödem bei Krebs", der Krebsliga Schweiz; AIDMOV Vereinigung von spezialisierten Therapeuten für die Methode der manuellen Lymphdrainage.


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