Betroffene Frauen berichten

Barbara, 41:

 

„Es war Herbst, ich war 38 Jahre alt und spürt ein Ziehen in meiner Brust. Dann sah ich, dass sich unter meinem Arm etwas verändert hatte. Die Untersuchungen bestätigten mir, dass da etwas war, das man genauer anschauen musste.

 

Wenn ich heute daran zurückdenke und mir die Bilder vom Sommer des betreffenden Jahres anschaue, finde ich, dass ich damals auf den Bildern irgendwie merkwürdig, seltsam dreinschaute.

 

Die Diagnose Brustkrebs führte zu einer grossen Unsicherheit in meinem Leben. Ich dachte nicht sofort „ans Sterben“ aber ich war sehr besorgt darüber, was diese Mitteilung für mein zukünftiges Leben bedeuten wird. Auch heute habe ich kein Problem mit meinem Körper, ich finde meine Brüste sehr schön, die Narben auch. Ich habe vielmehr Angst vor der Zukunft. Angst davor, dass es wieder kommt und von vorne losgeht. Darauf habe ich ja keinen Einfluss.

 

Zu Beginn der Behandlung wollte ich keine Perrücke tragen. Danach trug ich dann doch eine, und zwar eine mit langen Haaren, obwohl ich bis dahin kurze Haare hatte. Für mich war es ab diesem Zeitpunkt das Wichtigste Sorge zu mir zu tragen. Ich machte einen Schminkkurs und bemerkte, dass ich etwas an meinem Äusseren verändern konnte. Im Gegensatz zu all den medizinischen Behandlungen, während denen ich von den Ärzten abhängig war, konnte ich mich im Moment, wo ich mich schminkte und mich kleidete, konnte ich selbst über mich entscheiden.

 

Ich sprach sehr viel mit meiner Psychologin und meinen Eltern. Ohne Ihre Unterstützung wäre ich heute sicher nicht so optimistisch. Allerdings fehlten mir Gespräche mit anderen betroffenen Frauen in meinem Alter, die dasselbe durchlebten wie ich. Ich wollte auch über das Tabu Thema Brustkrebs in der Gesellschaft mit anderen diskutieren. Ich hatte den Eindruck, als ich prominente Personen beobachtete, die sich zu Brustkrebs äusserten, dass die Gesellschaft sehr offen damit umgehen kann. Aber in Wahrheit realisierte ich, dass es bei uns noch ein sehr grosses Tabu Thema ist.“

 

Heute fühle ich mich oft sehr müde. Ich habe den Eindruck, ich sei schneller gealtert. Klar ist das schwierig. Aber trotz allem, denke ich, dass man auch mit gewissem Humor über Brustkrebs reden kann. Es sind ja nicht nur Kranke, die nicht mehr ausgehen oder kaum noch Sport treiben.“

 

Eva, 41:

 

„Ich war 38 Jahre alt, als alles anfing. Zuerst entdeckte man bei mir ein Lipom und merkte direkt im Anschluss, dass die Lymphknoten befallen waren. Sehr rasch nahm man mir eine Brust ab, dann folgten zahlreiche Chemobehandlungen, Strahlentherapie und bis heute bin ich in der Anti-Hormontherapie. Meine Brust wurde wieder aufgebaut und meine andere Brust verkleinert.

 

Ja, eindeutig, es war eine sehr harte Zeit aber ich konnte auch von vielen, schönen Dingen profitieren. Als Sportfan habe ich mich damals mit zahlreichen Sportevents im Fernsehen „beschenkt“: die Olympische Winterspiele in Turin, Wimbledon, die Fußball WM, u. a. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken, die ich für meine ganz persönliche Weiterentwicklung nutzte.

 

Ich bin immer offen mit meiner Krankheit umgegangen, schrieb einen Newsletter für meine Familie und Freunde. Ich forderte mein Umfeld auf, mich immer wieder zum Lachen zu bringen, weil Humor für mich sehr wichtig im Leben ist.

 

Die Sache mit der Frisur: Nein, ich habe keine Perrücke getragen, damit fühlte ich mich nicht wohl. Aber ich besass ein Dutzend Tücher als Kopfbedeckung. Und dann muss man akzeptieren, dass die Hormonbehandlung das Äussere verändert: Man nimmt an Gewicht zu, Haut und Haare verändern sich, man fühlt sich älter…Auch charakterlich verändert man sich.

 

Im Job zeigte mein Chef keinerlei Verständnis für das, was ich durchlebte. Ich war Radio Journalistin und bin dort aber nicht geblieben. Nach den Behandlungen wechselte ich die Stelle und habe heute eine passendere Arbeit. Manchmal fehlt mir der alte Job aber im Grunde bin ich sehr zufrieden, dass ich ein berufliches Gleichgewicht trotz der Krankheit gefunden habe.

 

Ich habe das grosse Glück eine Partnerin zu haben, die Krankenschwester ist und die mir ernorm viel geholfen hat. Alles in allem kann ich sagen, dass unsere Partnerschaft in dieser schweren Zeit sehr gewachsen ist und gestärkt wurde.“

 

Ann-Catherine, 59:

 

„Während der Zeit der medizinischen Eingriffe und in den Wochen danach, war das Schwerste für mich, dass ich keine anderen Frauen kannte, die denselben Behandlungsplan wie ich hatten oder eine Person, mit der ich meine Gefühle hätte teilen können.

 

Mir fehlte jemand, dem ich die Fragen stellen konnte, die ich mich nämlich nicht traute meinem Arzt zu stellen: Wie lange werde ich Schmerzen haben? Wird mein Umfeld meine neue Erscheinung annehmen? Wie gewöhne ich mich an meine Prothesen? Ich hätte gerne eine andere Frau an meiner Seite gehabt, die mich bestärkte, mir sagt „ ja, ich verstehe dich…es ist nicht leicht….ich verstehe den Zorn, den du gegen das hast, was dir gerade passiert ist…ja, da musste ich auch durch!“

 

Der Krebs bringt das familiäre Gleichgewicht und das Umfeld durcheinander. Der Krebs trifft jeden in seinen Gefühlen, in dem, was man im Leben erreicht hat, in seinen tiefsten Überzeugungen und stellt alles in Frage.

 

Zum Glück standen mir mein Mann und mein Sohn zur Seite, sie haben meine Angst und meine Tränen aufgefangen. Auch Freunde waren für mich da. Sie haben mich unterstützt in schwierigen Zeiten und mich während der Heilung begleitet.

 

Diese Lebensphase hat sich in unsere Herzen eingeprägt und steht für einen schweren aber intensiven Moment, durch den wir unsere Beziehungen gestärkt haben.“

 

Dona, 56:

 

„Ich fühlte mich während der Behandlung sehr alleine, denn ich wusste gar nicht dass es auch Selbsthilfegruppen und unterstützende Organisationen gibt. Ich kannte niemanden, der eine ähnliche Situation wie ich durchlebte.

 

Ich hatte niemanden, um über meine Sorgen und Schwierigkeiten zu reden oder um einfach ein wenig Abstand zum Thema zu finden. Sicherlich, mein Mann und meine Kinder waren da, aber ich wollte sie ja nicht noch zusätzlich belasten. Die Situation war schon schwer genug für sie.

 

Einige Jahre später hatte ich die Gelegenheit, mit der Organisation Europa Donna in Kontakt zu treten. Mit einigen anderen betroffenen Frauen habe ich dann die Regionalgruppe Bern gegründet. Dank dieser Aktivität wurde die Bedeutung meiner Krankheit zweitrangig und ich konnte mich nützlich zeigen für andere betroffene Frauen“.


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